Das Schachspiel

Schach: das Spiel der Geistesgrößen

Schach gilt als das Spiel der Könige und der Strategen. Wahrscheinlich hat kein Spiel einen solchen Nimbus. Schachgroßmeister gelten als Genies, und am Schach misst man die Leistung der stärksten Computer. Naürlich kann auch Glück beim Schach nichts schaden, dennoch hängen Sieg und Niederlage fast ausschließlich von Können, Nervenstärke und Ausdauer der Spieler ab.

Möglicherweise liegt der Ursprung des Schachspiels in China, von wo es dann über Indien und Persien bereits im frühen Mittelalter nach Europa gelangte. In allen Kulturen war es vor allem beim Adel beliebt, der mit dem Spiel auch taktische Überlegungen schulte.

Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass es bereits seit dem Mittelalter zahlreiche bildliche Darstellungen von Schachspielern gibt. Im Unterschied zu Spielkarten oder Würfeln prangerte man mit Schardarstellungen nie Spielsucht oder Leichtsinn an, sondern betrachtete das Spiel als Auszeichnung. Wenn in der Genremalerei des Barock einfache Soldaten saufen und würfeln, so ist Schach mehr eine Angelegenheit des Adels und der Offiziere. Dieses elitäre Interesse am Schach lässt sich bis in die moderne Kunst verfolgen, wo sich Schach nach wie vor einer großen Beliebtheit erfreut.



Wurzeln im Orient

Schachspiel aus einem indischen Text aus dem siebten Jahrhundert. Krishna und Radha spielen "chaturanga", eine Art frühe Form des Schach.


Persische Miniatur von Anfang des 11. Jahrhunderts. Das strategische Spiel der Adligen und Militärs ist auf dem Weg nach Westen.



Europäisches Mittelalter

Alfonso X. "Der Weiße" spielt Schach mit einem Mauren. Miniatur aus einer spanischen Handschrift von 1283. Auf dem Weg des Schachspiels ins Abendland war das maurisch/christliche Spanien eine wichtige Station.


Der Markgraf von Brandenbur Otto IV. (1238-1308) spielt Schach mit seiner Frau Hedwig von Holstein, Illumination aus der Manesseschen Handschrift (ca.1300). Hier ist das Schachspiel eine Unterhaltungsform des höchsten Adels. Zu beachten ist allerdings, dass es durchaus auch für (adlige) als standesgemäß galt.



Renaissance

Margarete von Alençon spielt Schach mit ihrem Bruder François d'Angoulême dem späteren König Franz I. Von Frankreich (Illumination aus dem XVI. Jahrhundert). Hier wird die Frau, d.h. die Schachspielerin, zentral positioniert. Margarete war eine äußerst gebildete und zeitweilig sehr mächtige Frau. Für sie schien das Schachspiel ein angemessener Zeitvertreib.


Auch für den holländischen Künstler Lucas van Leyden (1494 - 1533) war das Schachspiel (1508) ganz offensichtlich etwas wo man Frauen ernst nehmen musste.



Barock

Auch auf diesem Bild des Italieners Giulio Campi (1500 - 1572) - "Die Schachpartie" (1550) - ist die weiblich-höfische Komponente des Schachspiels immer noch dominant.


In den Niederlanden des 17. Jahrhunderts hat Schach dann anscheinend auch bürgerliche Kreise erreicht, wie diese "Schachpartie" (1670) von Cornelis de Man sehr schön zeigt. Aber auch hier scheint die Frau das Spiel zu dominieren.



Rokoko und Klassizismus

Zwei Rokoko-Höflinge bei einer "Schachpartie" von Johann Baptist Anton Raunacher (1729-1771). Nun ein idyllischer Zeitvertreib bei Hof.


Friedrich und Konradin vernehmen ihr Todesurteil in Neapel (1783). Auf diesem seinerzeit sehr berühmten klassizistischen Historiengemälde zeigt Johann Heinrich Tischbein (1751 - 1829) seine jugendlichen Helden im Kerker beim Schachspiel. Sie haben um die Krone gespielt und verloren.


"Die Schachspieler" des englischen Malers James Northcote (1746-1831) zeigt möglicherweise eine Vater, der seinen Söhnen das Spiel beibringt. Also eher eine bürgerlich-familiäre Perspektive.



Historienmalerei

Die Schachspieler von dem italieischen Maler Giulio Rosati (1858-1917). Ein Kardinal gibt sich hier offensichtlich das Vergnügen mit zwei jungen Damen am Hof. Das süssliche Rokoko wird auf diesem Historienbild zur Idylle der guten, alten Zeit verklärt, in der die Welt des Adels und der Kirche noch in Ordnung waren.


Auch das Schachspiel des franzöischen Historienmalers Charles Bargue (1826-1883) ist im Rokoko angesiedelt. Hier ist es eine angemessene Form des Müßiggangs junger Männer.



Genremalerei

Die Vorliebe für die gute, alte Zeit, die im von Industrialisierung und Modernisierung geplagten 19. Jahrhundert ganz groß in Mode kam, fand ihren kitschigsten Ausdruck in der Genremalerei. Hier mischte man historische Szenen mit idealisierten Darstellungen des einfachen Lebens. Zum künstlerischen Vorbild wurden dabei die großen niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts. Auf jeden Fall sind es meistens urwüchsige, oft auch orginelle, kauzige Gestalten, die sie hier ganz dem Schachspiel widmen.

Der deutsche Maler Jakob Emanuel Gaisser (1825-1899), der auch mit lustig trinkenden Möchen großen Erfolg hatte zeigt hier Musketiere beim Schachspiel.


Der Engländer Charles Meer Webb (1830 - 1895) malte vor allem idyllische Kneipenszenen mit trinkenden und rauchenden Landsleuten. Dabei widmeten sich auch einige dem Schachspiel, wie auf diesem "Schachmatt" (1864).


Für den Tiroler Franz Defregger (1835-1921) gehörten bäuerliche Szenen zum Standardrepertoire. Hier zeigt er ein paar beim Schachspiel in der guten Stube. Auffallend ist, dass er im Gegensatz zu anderen Genremalern hier eine Frau beim Spielen zeigt.


Der Amerikaner Richard Creifelds (1853-1939) nannte sein Schachbild "Die Veteranen" (1886). Möglicherweise bezog er es ja auf alte Kriegsveteranen, möglicherweise verweist es aber auch auf die Veteranen zahlloser Partien.



Orientalismus

Der Orientalismus war eine weitere des an exotischen Fluchten so reichen 19. Jahrhunderts. Durch das Interesse vieler Künstler am Orient kehrte das Schachspiel gewissermaßen wieder dorthin zurück, von wo es im Mittelalter seinen Siegeszug nach Europa angetreten hatte.

Zwei Araber bei Schachspiel (1847) von dem Romantiker Delacroix, Eugène (1798-1863). Delacroix zeigt die Spieler hier inmitten von Ruinen, beobachtet von einer Frau mit Wasserkrug. Das Spiel wird dadurch in die Tradition einer uralten Kultur verlegt.


Albaner beim Schachspiel (1898) von Gérôme Jean-Léon (1824-1904). Hier spielen zwei Angehörige der in Ägypten regierenden albanischen Söldnertruppe. Das Bild suggeriert es als typischen Zeitvertreib von Kriegern im Orient.



Moderne

Weit mehr als jedes andere Spiel haftet an Schach der Nimbus des Genialen und Elitäten. Aus künstlerischer Sicht wird der hohe Grad der erforderlichen Abstraktion geradezu ideal durch das einfache "schachbrettmuster" des Spielbretts symbolisiert.

Es erstaunt deshalb nicht, dass Schach wie kein anderes Spiel die Fantasie moderner Künstler angeregt hat.

Schachbrett (1914) von dem spanischen Maler Juan Gris (1887-1927). Gris geht es hier weder um Idylle noch Zeitvertreib, sondern um Abstraktion, Perspektiven und Analyse.


Schafende Frau neben einem Schachbrett (1928) von dem Franzosen Henri Matisse (1869-1954). Für Matisse steht die Reduktion der Farben im Vordergrund, die ihre Entsprechung im Schachbrett findet. Man mag zwar über die "liegende Königin" spekulieren; ich halte dies jedoch für überzogen.


"Überschach" (1937) von dem Deutsch-Schweizer Künstler Paul Klee (1879-1940). Auch Klee geht es um Reduktion und Abstraktion, und genau da findet er dann diese "Über-" oder "Superschach", wie es manchmal auch genannt wird.