Magazin Covers

Magazin Cover

Es mag immer noch Leute geben, die Coverillustrationen von Trivial- oder so genannter Schundliteratur für schlechte oder sogar für gar keine Kunst halten. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass einige zu ihrer Zeit ultramoderne Kunstrichtungen - vom Expressionismus bis zur Pop-Art - einige ihre wesentlichen Anstöße gerade vom Primitiven und Trivialen bezogen. Coverart mag also trivial, grell und kitschig sein, auf jeden Fall ist aber auch vital und manchmal sogar äußerst innovativ.

Am interessantesten ist aber, dass sich Kunst wahrscheinlich in kaum einem anderen Bereich so sehr dem Publikumsgeschmack annähert und versucht populären Mythen Ausdruck zu geben. Es geht also nicht um reale Pokerspiele oder Casinos, sondern um die Mythen und Träume, die sich darum ranken.




Harte Männer

In fast allen Pulpmagazinen - Thriller, Abenteuerromane oder Western - geht es auch um harte Männer, und richtig harte Männer spielen Poker, könnte man nur leicht verkürzt sagen. Wenn auch coole Spione wie James Bond und Genossen manchmal die elegante Welt des Spielcasinos vorziehen.


"Real Men" heißt dieses Magazin von 1958. Also "Echte Kerle" dieser hier, der gerade gut im Poker gewonnen hat. Eine heiße Blondine auf den Knien und natürlich eine Knarre schußbereit.


Auf dem Cover von "Adventure" (1957) ist ein recht ähnliches Motiv. Nur dieses Mal ist der bullige Kapitän mit einem Messer bewaffnet und hat einheimische Schönheit an seiner Seite.


Auf diesem Western von 1935 wird scharf geschossen, nachdem zwei Pik-Ass aufgedeckt wurden.


Auch auf diesem Cover von 1936 führt Betrug beim Pokerspiel zum Griff zum Colt. Man sollte es übrigens nicht für einen Zufall halten, dass es sich bei der Betrugskarte immer um das Pik-Ass handelt. Schließlich ist das "Ace of Spades" die Todeskarte und das Symbol harter Kerle schlechthin.



Verführerische Frauen

Eigentlich noch wichtiger als die harten Männer sind verführerische Frauen. Pulp-Magazine bevorzugen hier den verruchten, lasziv-düsteren Typ der klassischen Femme Fatale.

Obwohl diese Frauen fast nie selbst spielen, stehen sie meistens ganz im Zentrum. Sie mögen dem Sieger als Prämie winken, eigentlich scheinen sie jedoch die wirkliche Motivation zum Spiel zu sein.


Dieses Bild des Künstler Donald Teague lässt keinen Zweifel daran, wer das Spiel dominiert. In verführerischem, man kann auch sagen teuflischem rot steht die Dame gewissermaßen über dem Ganzen.


Hier schmiegt sich die Schöne an einen jungen, sichtlich unerfahrenen Pokerspieler. "Sie gab ihre Reize dem höchsten Bieter", verrät der Untertitel.


"Stadt der Sünde" heißt dieser Roman. Auch hier lockt eine Frau in rot auf dem Grün eines Spieltischs. Es geht angeblich darum, was Gier und Frauen einer amerikanischen Stadt antun können.



Symbolische Spielkarten

Bei Coverillustrationen liebt man keine Feinheiten, sondern die großen Überzeichnungen. Deshalb sind auch kleinere Details meistens genau arrangiert. So sind bei Spielkarten bestimmte Karten wie das Pik-Ass - die Todeskarte -, Herz-Ass oder Herz-Dame - als Symbole der Liebe und manchmal auch Buben wegen ihrer symbolischen Aussage beliebt.


Diese Dame hält gleich die beiden wichtigsten Symbolkarten: Herz- und Pik-Ass.


Hier geht es offensichtlich einer Herz-Dame an den Kragen.


Dass diese Frauen beim Betrug des jungen Mannes das Herz-Ass ausspielen ist sicher kein Zufall.


Passend zum Titel "markiert für Mord" hält die Frau ein Pik-Ass in der Hand.


Eine Illustration für "Reilly, Ace of Spies". Das Ass unter den Spionen wird natürlich durch das Pik-Ass repräsentiert und hat eine Herz Dame an seiner Seite.



Actionschach

Helden der Pulpromane spielen wie gesagt Poker oder begeben sich auch manchmal in die coole mondäne Welt des Spielcasinos. Sie sind cool, nervenstark und risikobereit, als große Intellektuelle sind sie dagegen nicht berühmt. Für das Schachspiel, das sonst in der traditionellen Malerei sehr populär ist, besteht deshalb auf Pulpcovern wenig Bedarf.

Es gibt allerdings eine Ausnahme. Im Bereich der Science-Fiction und der Fantasy, gibt es eine Art überdimensionales Schach, bei dem Götter oder das Schicksal spielen während die Menschen zu einfachen Figuren auf dem Spielbrett werden. Das heißt von den Helden werden auch hier keine außergewöhnlichen intellektuellen Leistungen erwartet. Sie müssen sich aber heroisch gegen ein von außen aufgezwungenes Schicksal zur Wehr setzen.


Cover für "The Chessmen of Mars" (1922) von Edgar Rice Burroughs. Der Held spielt nicht selbst, sondern kämpft tapfer auf dem Schachbrett.


Eine recht ähnliche Situation auf einem Science-Fiction Cover von 1956. Hier greifen dunkle Mächte von außen ein, während der Held auf dem Brett selbst agieren muss.