Billard

Billard in Malerei und Film

Viele Leute würden Billard eher als "Sport" denn als Spiel bezeichnen würden, da es dabei in allererster Linie auf Geschicklichkeit und erlentes Können als auf Zufall und Glück ankommt. Dennoch kann man wohl kaum abstreiten, dass auch beim Billard eine gewisse Portion Glück durchaus hilfreich sein kann. Vor allem ist es aber die Atmosphäre die eine äußerst enge Verbindung zum Glücksspiel hersstellen. Da mag es sich um große, helle Spielhallen handeln, die dann eher an ein Spielcasino erinnern, oder eben die (einstmals) verräucherten und dunklen Höhlen, die doch sehr viel mit der Welt des Pokerns und Zockens gemein haben. Und nicht zuletzt ist da das grüne Spieltuch, das doch irgendwie eng verwandt scheint mit den Spieltischen im Casino.

Kurz und gut, auch wenn Billard kein echtes Glücksspiel ist, so gehört es in der Ikonographie und auch im Film einfach in die Welt der Casinos und Spielsalons, dort wo sich coole Typen treffen und schöne Frauen eher als Beobachterinnen im Hintergrund (oder gar nur der Phantasie) zu sehen sind.



Zeitvertreib des Adels

Die Urformen des Billards, also eines Spieltischs auf dem Kugeln mit einem Stock in Löcher geschossen wurde, geht auf das Spätmittelalter zurück. Nach und nach scheint es sich in den Kreisen des europäischen Adels verbreitet zu haben, blieb jedoch darauf beschränkt, da die Tische sehr teuer waren.


Ludwig XIV. beim Billardspiel 1694


Historiengemälde zeigt Billardspieler in einem Rokokoschloss.


Adlige Damen beim Billard.


Biedermeier Billiard Saal in Schloss Schönbrunn Wien (um 1855-1860).


Ausweitung auf bürgerliche Kreise

Nach und nach wurde Billard auch in bürgelichen Kreisen populär. Zuerst nur in äußerst elitäten Kreisen, dann auch langsam in Clubs, wodurch breitere Schichten erreicht wurden. Während der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert gab es dann zahlreiche Neuerungen (u.a. Schieferplatten, Elbenbeinkugeln oder Kreide) und die Tische wurden in größeren Stückzahlen hergestellt.


Ein Billardspiel von dem französischen Maler Louis-Léopold Boilly. Sicher ein Spiel der besseren Gesellschaft, an dem aber auch Frauen und Kinder teilnehmen.


Ein Billardspiel von dem deutsch-amerikanischen Maler August Laux. Ohne Zweifel ein bürgerliches Paar beim Zeitvertreib.


Eine elegante Billardspielerin zeigt hier, dass das Spiel durchaus unter Damen nicht unpolulär war.


Eine Art Club zeigt hier der französische Maler Jean Baptiste Simeon Chardin. Hier scheint sich bereits das männliche Refugium abzuzeichnen.


Eine ähnliches Ambiente von dem französischen Maler Nicolas Antoine Taunay. Auch hier scheint es sich um einen Billardclub zu handeln.


Rauchiges Ambiente

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde da Spiel zunehmend populärer und in vielen Cafés und Bars wurden Spieltische aufgestellt. Hier entwickelte sich nun langsam die Vorstellung vom Billardtisch in einer verräucherten Spielhöhle. Auf den künstlerischen Darstellungen dieser Zeit ist Billard ohne Alkohol und Zigarettenqualm praktisch nicht darstellbar.


Ein Billardspiel von dem französischen Maler Jean Béraud. Hier ist die typische Atmosphäre aus Rauch, Alkohol und Kunstlicht bereits perfekt.


Nachtcafe an der Place Lamartine in Arles von Vincent van Gogh. Obwohl van Goghs Bild schön ausgeleuchtet ist, sollte man beachten, dass es Kunstlicht ist. Billard ist etwas für Nachtschwärmer und Trinker.


Dasselbe Nachtcafe in Arles von Paul Gauguin. Sicher etwas belebter, aber dennoch gehört das Billardspiel auch hier zu Alkohol (Absinth) und Zigaretten.


Populäre Darstellungen

Grüne Tische in sonst oft eher düsteren Räumen, rauchige Luft und Alkohol prägten zunehmend die Vorstellungen vom Spiel. Es wurde dabei immer mehr zu einer rein männlichen Domäne. Aber gerade deshalb erfreute sich das Billard zunehmender Beliebtheit bei Pin-Up Künstlern. Das männliche Reservat wurde dabei (wie der Motorsport auch) mit hübschen Frauen angerichert.


Ein Pin Up aus den Dreißern von Peter Driben. Sozusagen ein Klassiker. Sie trägt die passende Kleidung um am Billardtisch zu posen.


Ein Retro Pin Up von Donald Rust. Auch hier wird beim Billardspiel gezeigt, was möglich ist.



Diese Bilder von naiven Mädchen beim Billard waren so populär, dass sie auch gerne mit Fotos nachgestellt wurden.


Da wollte auch nicht die Werbung zurückstehen. Diese nette Billardspielerin ist aus den 50ern. Hier kommt zur echten Billardbeleuchtung auch noch der typische Rauch.


Mit denselben Elementen spielte der britische Fotograf Miles Aldridge bei diesen Fotos, die in der Vogue Italia 2008 erschienen. Grüner Billardtisch, schummrige Beleuchtung und Rauch - es fehlte nur noch der Alkohol.


Der ist dann auf diesem Bild des 3D-Künstlers Benjamin Parry zu sehen. Hier kommt wirklich alles zusammen: 2 coole Widersacher, Beleuchtung, Rauch und Bier. Schlicht und ergreifend genial!


Billard im Film

Natürlich leben Filme von der Darstellung populärer Mythen, und so sind in den Filmen meistens harte Typen zu sehen, die in verräucherten Spielhallen Glück und Auskommen suchen.


The Hustler (1961) mit Paul Newman. Ein junger Poolspieler arbeitet sich langsam nach oben und fordert schließlich den alten amtierenden Champion heraus.
Aus heutiger Sicht beeindruckend ist, mit welcher Hingabe beim Pool geraucht wird.



The Color of Money (1986) mit Paul Newman und Tom Cruise. In dieser späten Fortseetzung von "The Hustler" versucht der gescheiterte Profi (Newman) das junge Talent (Cruise) auszubilden, um gemeinsam ans große Geld zu kommen.



Turn The River (2007) mit Famke Janssen. Vom Plot her eigentlich sehr ähnlich zu "The Hustler". Allerdings versucht hier nun eine Frau durchs Billardspielen an Geld zu kommen. Dabei scheitert sie noch wesentlich schlimmer als ihre männlichen Vorgänger; vielleicht weil sie es gewagt hat in diese urmännliche Domäne vorzudringen.